Moritz Wühr/IJFD Sommer 2016 in Maon Levzeller in Herzliya

Ich habe 11 Monate im Maon Levzeller Herzliya, einer Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen des israelischen Sozialministeriums gearbeitet.

Überblick

Die Einrichtung besteht aus fünf Häusern mit jeweils etwa 16 Bewohnern. In meinem Haus „Carmel 1-2“ sind das zum größten Teil Männer der Jahrgänge 1975, es gibt jedoch auch zwei deutlich ältere Bewohner. Das Verhalten entspricht aber eher dem von Kleinkindern. Es gibt bei mir eine Person, die den ganzen Tag nur auf einem Handtuch umherkaut, aber auch die Personen, denen ich Verantwortung geben muss, die zum Theaterunterricht gehen oder einen, der falsches Hebräisch perfekt verbessert.

Frühschicht

Ich arbeite entweder in der Früh- oder Spätschicht. Die Frühschicht beginnt um 6:30 und dauert eigentlich bis um 2, jedoch werde ich immer nach dem Mittag gegen 13:15 nach Hause geschickt, weil ich nicht mehr benötigt werde. Früh wecke ich meine Bewohner und bringe sie zur Dusche. Nachdem ein Mitarbeiter (die wirklich alle sehr nett sind) diese geduscht hat, ziehe ich zwei an, danach helfe ich anderen nur, wenn sie beispielsweise nicht wissen, wierum die Hose gehört. Dann geht es zum Frühstück, dort füttere ich diese zwei bevor dann alle in ihre „Klasse“ gehen. Entweder passe ich auf einige meiner Bewohner auf, während immer wieder Therapeuten zum Basteln und Singen vorbeikommen oder ich gehe mit ihnen in den Park spazieren.

Das bloße aufpassen und basteln helfen kann manchmal langweilig sein, jedoch bin ich oft soweit verzichtbar, dass ich mir selbst Personen suchen kann, die Aufmerksamkeit und Aktion brauchen und selbst vorschlage, was ich mit ihnen machen kann.

Immer sonntags und mittwochs bringe ich meist alleine meine Bewohner zu zweit in den Pool, sorge dafür dass die, die alleine gehen können mit Handtüchern versorgt sind und helfe denen beim Umziehen, die Hilfe brauchen, was im Sommer recht anstrengend ist. Am Montag fahre ich immer mit einer Mitarbeiterin zusammen zur Hundetherapie, es ist schön zu sehen, wie sehr die Bewohner dabei in ihrer Persönlichkeit aufgehen.

Jedoch bekomme ich immer Hilfe, wenn ich sie anfordere und ich werde auch wie ein Volontär behandelt. Das heißt, dass ich die Bewohner nicht duschen muss oder Aufgaben an meine Kollegen geben kann. Da die Einrichtung zum Sozialministerium gehört, sind auch immer ausreichend erfahrene und (meist) motivierte Mitarbeiter da.

Im Sommer finden zudem auch viele Ausflüge der einzelnen Gruppen zu verschiedenen Aktivitäten statt, die wir Volontäre immer begleiten.

Spätschicht

Die Abendschicht geht von 14 bis 21 Uhr, da um 8 aber alle im Bett sind, gehe ich immer schon dann nach Hause. Diese ist sehr entspannt, meine Hauptaufgabe ist es meist Streitereien zu verhindern, mit Leuten zu unserer Krankenschwester zu gehen, mit meinen Bewohnern etwas zu reden oder mit ihnen zusammen zu singen und zu tanzen. Nicht selten gibt es auch Feste zu allen möglichen Feiertagen im Essenraum, die begleitet werden.

Meine freien Tage kann ich meist recht flexibel und kurzfristig mit meiner Gruppenchefin absprechen, auch eine Doppelschicht für mehr Urlaub ist möglich. Es hat sich das Prinzip der Gegenseitigkeit gut bewährt, ich helfe mal kurzfristig hier aus und kann dafür da mal früher gehen.

WG und Benefits

Zurzeit bin ich mit zwei Südafrikanischen Volontärinnen in unserer WG, an der es außer der fehlenden Waschmaschine (dafür wird diese vom Personal gewaschen) nichts zu bemängeln gibt. Die Lage in der Einrichtung hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die uns gebotenen Benefits sind sehr hervorzuheben, wir bekommen drei Mahlzeiten täglich und einmal in der Woche Obst, Gemüse, Milch, Brot und andere Lebensmittel für unseren Kühlschrank sowie einmal im Monat Nudeln, Kaffee, Mehl und ähnliches. Des Weiteren können nahezu sämtliche Verbrauchsmaterialien des Haushalts über das Lager bezogen werden.

Einmal in der Woche kommt zudem eine Putzkraft die alles außer die eigenen Zimmer reinigt und den Müll  ausleert.

Durch die einrichtungseigene Krankenstation besteht zudem eine unkomplizierte Versorgung mit Medikamenten aller Art wenn man es mal braucht.

Umfeld

Die Einrichtung befindet sich in der sehr reichen Stadt Herzliya, der man dies durch viele schöne Parks auch ansieht. Außerdem gibt es öfters kostenlose Konzerte in der Stadt. In Herzliya gibt es eine große Privatuniversität, die sehr oft interessante öffentliche Vorträge anbietet und eine englischsprachige Bibliothek besitzt. In der Freizeit ist natürlich der Strand erwähnenswert, der als schönster Israels gilt und mit einer Buslinie die direkt hinter dem Haus hält zu erreichen ist. Von dieser Station fahren auch zahlreiche wichtige Buslinien nach Tel Aviv hinein, bis ins Zentrum braucht man etwa 50 Minuten. Als Volontär ist man also ziemlich gut angebunden.

Schlussworte

Insgesamt bietet sich mir ein sehr gutes Bild der Einrichtung, es ist teilweise familiär und von den meisten Mitarbeitern wird meine Arbeit sehr geschätzt.

Der Leiter der Einrichtung ist einzelnen Projektvorschlägen von mir sehr aufgeschlossen gegenüber und gibt Tipps und Hilfe. Jedoch verhindern „ministeriale“, eingearbeitete Strukturen Veränderungen und einen Wandel.

Vor allem die Benefits die wir bekommen, die flexible Urlaubstagplanung sowie die gute Anbindung an Tel Aviv und den Norden mit dem Bus machen die Einrichtung perfekt für Volontäre!