Thilo Rother/IJFD Kfar Ofarim Tel Aviv

Der Einsatzort meines Freiwilligendiensts in Israel war das Kfar Ofarim in Tel Aviv. Unweit davon lebte ich in einer 4er WG in Ramat HaSharon. Diese ist schön eingerichtet mit einem Wohnzimmer mit anschließendem Esszimmer, einem Badezimmer, einer kleinen Küche und zwei Zweierzimmern. Ramat HaSharon ist mit rund 40.000Einwohnern angenehm überschaubar, mit zwei großen Supermärkten in der Nähe. Obwohl Ramat HaSharon direkt an Tel Aviv grenzt braucht man, wenn man in die Innenstadt möchte, mit dem Bus, je nach Verkehr, mal 25Minuten und mal über eine Stunde.
Meine Arbeitsstelle war das Kfar Ofarim, die größte Einrichtung für Autisten in Israel. Dort übernachten 72 Autisten, welche ich im weiteren Verlauf als „friends“ bezeichne. Diese Formulierung ist auch auf der Arbeit gebräuchlich, da es eine schönere Formulierung ist, als „Autisten“ zu sagen. Ich wurde in die morning shift eingeteilt, welche um 7:45 beginnt und gegen 16:30 endet. Meine Gruppe bestand aus fünf friends, welche in Bezug auf die Anderen friends am meisten „low-function“ waren, d.h. nur zwei von ihnen konnten sprechen. Der Tagesablauf ist immer gleich, da Routine den friends sehr wichtig ist. Nachdem die friends von ihren „Haus“, in dem sie mit meist sieben weiteren friends wohnen, in unsere Gruppe gebracht wurden ging es bei gutem Wetter für ein bis zwei Stunden nach draußen, d.h. entweder auf ein nahegelegenes Feld oder auf einen Spielplatz. Anschließend wird ein wenig gegessen. Danach gibt es verschiedene Aktivitäten, wie zum Beispiel das Besuchen den Musikraums, welcher abgedunkelt ist und laut Musik gespielt wird (was einige friends sehr mögen, andere wiederum nicht), einen Fitnessraum, einen Mal- und Knetraum und einem Massageraum. Zudem kann man jederzeit mit seinen friends ein Gesellschaftsspiel spielen oder puzzeln. Wichtig zu erwähnen ist, dass es Tage gibt an denen es sehr stressig sein kann, wenn zum Beispiel die friends unruhig sind oder viele Aktivitäten an einem Tag stattfinden stattfinden. Rès gibt aber auch Tage, die langweilig sein können, da die Aktivitäten ganz ausfallen oder die friends einfach nur schlafen wollen. Trotz dessen hat mir die Arbeit viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel im Umgang mit behinderten Menschen gelernt und meine friends sehr lieb gewonnen. Zwischendurch kann man, nach Rücksprache mit seinem Mitarbeiter, jederzeit eine Pause machen in der man was essen kann, einen Kaffee trinken oder seine Mitbewohner in ihrer jeweiligen Gruppe besuchen kann.
Für die Arbeit haben wir 1350 Schekel im Monat bekommen mit denen ich fürs Reisen und Essen ausgekommen bin. Zudem wird einmal die Woche ein Sprachkurs angeboten, welchen ich als nicht besonders hilfreich angesehen habe und somit nur einen Monat da war. Wenn man interessiert ist hebräisch zu lernen kann man das auch gut durch das Nachfragen der Mitarbeiter oder durch einen Tandem-Partner. Da wir mehr als die meisten Voluntäre gearbeitet haben, bekamen wir 38 Urlaubstage, zwölf Urlaubstage mehr als die meisten Voluntäre. Außerdem hatten wir noch die Hälfte der jüdischen Feiertage frei.
Besonders gut haben mir, neben dem Reisen am Wochenende, die Seminare gefallen. Die ersten Tage gab es ein Vorbereitungsseminar, in denen wir weitere Informationen über das Land Israel erhalten haben, wie z.B. die Sprache, die Religion, aber auch wie wir mit unseren zukünftigen Patienten umgehen sollen. Neben dem Vorbereitungsseminar gab es im Laufe des Jahres noch weitere Seminare welche sehr interessant und lehrreich waren. Vor allem das Seminar über den Holocaust, zu welchem zwei Holocaust Überlebende eingeladen wurden, und das Seminar über religiöse Minderheiten, in welchem wir Drusen und Tscherkessen besucht haben, haben mich sehr bewegt.
Die Betreuung von Silvi vor Ort könnte nicht besser sein. Durch ihre sympathische und hilfsbereite Art fühlt man sich in Israel sehr wohl aufgehoben.
Ich bin sehr froh beim DIV ein freiwilliges soziales Jahr gemacht zu haben, da ich neben der Selbstständigkeit die man entwickelt, viele liebe Menschen kennengelernt, ein Gefühl für die Arbeit mit behinderten Menschen bekommen, einen weiten Einblick in das Judentum und ihre Feste erhalten habe und eine schöne Zeit hatte.