Willkommen auf den Seiten des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD)

Benjamin / IJFD Shekel in Jerusalem

Shalom alle miteinander!

Ich mache seit Ende August 2019 ein IJFD in Jerusalem und arbeite dort bei Shekel. Dies ist eine Einrichtung für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen. Ich wohne mit vier anderen Freiwilligen zusammen in Gilo, einem Stadtteil von Jerusalem (Moshe Yustman St.26), das in einem annektierten Gebiet liegt. Meine Ankunft hier in Israel lief anfangs etwas holprig an, da mein Visum nicht im System hinterlegt war. Die Frau am Flughafen war aber super freundlich und nach paar Fragen (was ich hier genau mache und wo ich wohnen werde etc.) hat sie mir dann erstmal ein Touristenvisum gegeben. So konnte ich wenigstens schon einmal einreisen. Da wir unser Seminar gleich am Anfang hatten, hat man uns gleich am Flughafen abgeholt. Da ich 3 Tage früher da war, zusammen mit paar anderen, hatten wir einen super entspannten Start hier.

Wohnung und Wohngemeinschaft:

Die Wohnung ist an sich cool, wir haben eine relativ große Küche mit einem großem Essbereich, sowie ein Wohnzimmer mit einem Balkon (mit einem Hammer-Ausblick), ein Gäste-WC und ein kleines Bad. Sowie 3 Schlafzimmer. Da kommt es dann drauf an, wie viele Freiwillige da sind. In unserem Fall gibt es 2 Doppelzimmer und 1 Einzelzimmer. Sonst hat die Wohnung an sich alles was man braucht und was fehlt kann nach Belieben gekauft werden. Die Wohnung schaut nicht besonders schön aus und hat hier und da Mängel. Grundsätzlich, wenn man nicht allzu hohe Erwartungen hat, kann man für ein Jahr hier sehr gut Leben. Warmes Wasser gibt es momentan nur im 3 Minutentakt – also entweder schnell duschen oder warten 😉 (bekommen wir aber demnächst hoffentlich repariert). Sonst kann man hier in Gilo ganz gut leben. Was schade ist, ist dass wir mindestens 30 Minuten in die Altstadt brauchen, aber es wird gerade eine Straßenbahn gebaut die angeblich Dezember 2020 fertig wird. Da kann man sich aber anscheinend nicht so darauf verlassen. Es gibt hier einen kleinen Supermarkt um die Ecke und ca. 10 Minuten entfernt eine Mall, sowie eine Eisdiele, Restaurants und verschiedene Shops.

Betreuung und Taschengeld:

Die Betreuung hier vor Ort in Israel ist einfach super. Silvi ist immer für einen da. Im Grunde könnte man sie zu jeder Zeit anrufen, außer am Shabbat. Orly ist unsere Chefin bei Shekel. Sie ist richtig freundlich und man kann mit ihr sehr gut sprechen, wenn es ein Problem gibt. Im Grunde ist sie für uns aber nicht mehr direkt zuständig, unsere „Voransprechpartnerin“ ist nun Keren. Unseren Schichtplan macht die Shir. Grundsätzlich kann man sich mit Ihr sehr gut unterhalten, aber sobald es um die Arbeit, Urlaub oder ein spezielles Anliegen geht kann es schon einmal sehr hartnäckig werden. Wir können nur nachmittags arbeiten, haben unser Wochenende nur am Shabbat (am Shabbat fahren keine Busse, das macht dann das Reisen etwas unpraktisch). Wir müssen alle jüdischen Feiertage arbeiten und dürfen nur 5 Tage hintereinander frei nehmen (Wochenende miteingerechnet) und dann müssen wir die nächsten fünf Tage arbeiten. Wenn man mit den ganzen „Regeln“ keine Probleme hat und dies weiß, funktioniert es mit Shir sehr gut. Taschengeld bekommen wir jeden Monat pünktlich. Wir bekommen einmal 800 Shekel als Scheck und 600 Shekel in Form eines Supermarktgutscheines zusammen sind das ca. 350 Euro. Ich persönlich komme damit super zurecht.

Arbeit:

Die Arbeit ist an sich sehr entspannt. Wie schon gesagt haben wir immer die Nachmittagsschicht: Sonntag bis Donnerstag von 14 bis 20 Uhr. Ein bis zwei Mal im Monat darf man aber in der Frühschicht am Freitag mithelfen, von 8 bis 14 Uhr. So hat man das Glück dann auch mal einen Tag unter der Woche frei zu haben. Es gibt verschiedene Apartments. Zwei-Frauen Apartments, ein Männer-Apartment und ein gemischtes Apartment. Ich arbeite hauptsächlich im Männer-Apartment und einmal die Woche im Frauen-Apartment. Im Männer-Apartment sind vier „Friends“ die stark körperlich und geistig behindert sind. Oshri ist sehr verträumt und schläft viel in seinem Sessel, kann weder sprechen noch mit Hilfe laufen und zeigt an sich wenige Reaktionen. Omer ist etwas fitter, kann mit Hilfe kleine Wegstrecken zurücklegen, braucht aber sonst sehr viel Hilfe. Er kann aber mehr oder weniger allein Essen und Trinken und freut sich sehr, wenn du ihn mit Shalom Omer begrüßt und seine Hand schüttelst. Amy ist cool. Er kann sich sehr stark ausdrücken durch Zappeln und Schreien, wenn ihm langweilig ist oder etwas nicht passt, liebt es zulaufen und aus dem Rollstuhl rauszukommen, braucht aber beim Laufen und beim Essen Hilfe. Chen ist wahrscheinlich der unabhängigste von allen und möchte gefühlt die ganze Zeit mit einem Kuscheln. Unter anderem liebt er Pudding und alles andere was Süß ist. Er kann an sich allein essen, solange es was Süßes ist. Sobald es das „normale“ Essen gibt, weigert er sich. Manchmal aber, mit viel Geduld und Zeit, ist der Teller dann auch irgendwann leer. Sprechen kann von den Friends leider keiner, aber so wird einem auch mal richtig bewusst, wieviel durch Gestik und Mimik eigentlich kommuniziert werden kann!

An sich wird man nicht richtig eingearbeitet, aber das, was wir auf dem Seminar gelernt haben in Deutschland, konnte ich hier super anwenden. An das Pflegerische gewöhnt man sich je nach Typ relativ schnell. Bei den Männern ist jeden Donnerstag Mall-Tag (einer meiner Lieblingstage). Da gehen wir zusammen in die Mall laufen/fahren dort herum und essen dort Pizza oder Burger und da bekommen wir dann auch immer was zu essen, was super ist. Sonst dürfen wir auf der Arbeit auch Abendessen und fast jeden Tag kochen die Worker für uns. Das ist richtig klasse, da wir so auch mal etwas Neues kennenlernen. Die Worker sind sonst sehr cool. Amir kann Deutsch und Englisch, Samer kann Englisch und mit den anderen zwei wird sich mit bisschen hebräisch, englisch und viel Zeichensprache abgesprochen, was aber sehr gut funktioniert (Übung macht den Meister). Ich möchte aber gar nicht so viel über die Worker reden, am besten kommt Ihr einfach selbst für ein Jahr her und lernt Sie selbst kennen 😉

An sich wird man nicht richtig eingearbeitet, aber das, was wir auf dem Seminar gelernt haben in Deutschland, konnte ich hier super anwenden. An das Pflegerische gewöhnt man sich je nach Typ relativ schnell. Bei den Männern ist jeden Donnerstag Mall-Tag (einer meiner Lieblingstage). Da gehen wir zusammen in die Mall laufen/fahren dort herum und essen dort Pizza oder Burger und da bekommen wir dann auch immer was zu essen, was super ist. Sonst dürfen wir auf der Arbeit auch Abendessen und fast jeden Tag kochen die Worker für uns. Das ist richtig klasse, da wir so auch mal etwas Neues kennenlernen. Die Worker sind sonst sehr cool. Amir kann Deutsch und Englisch, Samer kann Englisch und mit den anderen zwei wird sich mit bisschen hebräisch, englisch und viel Zeichensprache abgesprochen, was aber sehr gut funktioniert (Übung macht den Meister). Ich möchte aber gar nicht so viel über die Worker reden, am besten kommt Ihr einfach selbst für ein Jahr her und lernt Sie selbst kennen 😉 Sprachkurs: Den haben wir jede Woche, zwei Stunden am Mittwoch, das spricht man aber mit der Lehrerin ab, die sogar direkt in die Wohnung kommt. Je nachdem wie viel Zeit man investiert kann man die Sprache relativ gut erlernen. Ich würde sogar fast sagen, dass man es schaffen kann, sich nach dem IJFD akzeptabel zu unterhalten.

Freizeit:

Da wir ja immer nachmittags arbeiten, ist es mit der Freizeitgestaltung an Arbeitstagen manchmal etwas schwierig. In Sportvereinen oder an sonstigen Veranstaltungen am Abend teilzunehmen ist eigentlich nicht möglich, da wir immer bis 20 Uhr arbeiten. Dafür gibt es aber jeden Morgen einen entspannten Start in den Tag. Das großartige an Israel ist, dass es sehr klein ist. Dadurch hat man in einem Jahr genügend Zeit, das ganze Land kennenzulernen, wenn man möchte. Die letzten 2 Wochenenden haben wir ein Auto angemietet und dadurch kommt man dann auch am Shabbat leichter von einem Ort zum anderen . Das funktioniert aber auch ohne Mietwagen sehr gut. Man kommt auch prima mit dem Bus voran, muss halt besser geplant werden. 

Fazit: 

Auch wenn nicht alles perfekt ist, bin ich richtig froh, dass ich diese Gelegenheit wahrgenommen habe, um für ein Jahr nach Jerusalem zugehen und aus dem Alltagsleben rauszukommen. Ich wohne hier mit einer super WG zusammen und würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden, wir haben zwar nur am Shabbat frei und müssen immer nachmittags arbeiten, haben aber sehr viel Spaß auf der Arbeit und wir haben immer zusammen frei was das Reisen natürlich viel besser macht. 

Mit besten Grüßen aus Israel 

Benjamin