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Katharina / IJFD Maon Levzeller in Herzliya

Wohngemeinschaften:

In Levzeller habe ich in einer kleinen Wohnung direkt auf dem Gelände der Einrichtung gelebt. Vorteilhaft ist hier, dass man morgens direkt auf der Arbeit ist. Allerdings hat man auch nie einmal seine Ruhe und es kann schon einmal passieren, dass ein resident auf einmal  im Wohnzimmer steht. Die Wohnung ist für vier Bewohner ausgerichtete. Zwischenzeitlich waren wir allerdings nur zu zweit  bzw. zu dritt und die letzten vier Monate wohnte ich dort alleine.

Die Einrichtung liegt inmitten eines Wohngebietes und neben einem kleinen Park, sodass man auch dort einmal seine Ruhe finden kann. Busverbindungen nach Tel Aviv sind in Ordnung (man braucht ca. 1 Stunde) und die Zugstation, mit Verbindung in den Norden und Süden des Landes, ist etwa  4km weit entfernt. Zum Strand braucht man eine gute halbe Stunde. In unmittelbarer Nähe gibt es Supermärkte und kleinere Einkaufsmöglichkeiten.

Die Wohngemeinschaft bietet eine sehr gute Möglichkeit sich mit anderen Volontären von anderen Organisationen auszutauschen. Es gibt zwei Schlafzimmer, d.h. man teilt sich sein Zimmer. Insgesamt ein bisschen zu wenig Platz, aber dafür ist es gemütlich. Daneben gibt es  eine kleine Küchenzeile mit Wohnzimmer, ein Bad, zwei Toiletten und eine kleine Abstellkammer.

Der Zustand der Wohnung ist etwas gewöhnungsbedürftig, da alles ziemlich heruntergekommen und verschmutzt ist. Von Seiten der Einrichtung würde ich mir für die zukünftigen Volontär-Generationen eine ordentliche Renovierung und Säuberung wünschen. Falls etwas fehlt gibt es immer einen Hausmeister, der den Volontären hilft, neue Gegenstände, wie zum Beispiel Küchengeräte, zu besorgen, die aber oft auch nicht richtig funktionierten. Einmal pro Woche kommen die Putzfrauen, die aber leider an der Sauberkeit der Wohnung nicht viel ändern konnten. Daher versuchten wir selbst Hand anzulegen, was allerdings auch nicht zum Erfolg führte.

Arbeit:
In Maon Levzeller arbeiten Volontäre mit körperlich und geistig behinderten Menschen jeden Alters.

Mein Tag begann um 6:30 Uhr und endete um 14 Uhr. Zu Beginn stand Wecken, Duschen, Anziehen und die medizinische Versorgung der residents auf dem Plan. Danach ging es zum Frühstück.

Der Arbeitsalltag und die Zeiten sind allerdings abhängig von dem Haus, in welchem man arbeitet. Hiervon gibt es vier Stück. In meinem Haus (carmel) leben ausschließlich Frauen, die sich noch auf einem sehr hohen geistigen Niveau befinden. Dadurch nehmen sie an vielfältigen Aktivitäten teil, wie zum Beispiel Basteln, Malen oder ins hauseigene Schwimmbad gehen. Meine Aufgabe war es die residents hierbei zu begleiten. Einmal wöchentlich gingen wir in eine Theater in Tel Aviv, bei welchem vier unserer residents als Schauspieler mitwirken. Wöchentlich findet außerdem für einige eine physiotherapeutische Behandlungsstunde statt. Auch hier half ich. Manchmal kommt es zu kurzfristigen Fahrten ins Krankenhaus oder zum Arzt, wo ich öfters einsprang.

Um 12 Uhr gibt es Mittagessen und danach müssen noch Zähne geputzt werden, bevor die residents sich zur Mittagsruhe legen. Hiermeit endete jeden Tag meine Arbeit.

Manchmal gab es sehr anstrengende Tage, an denen man gar nicht wusste, wohin man zuerst laufen soll. Dafür gab es aber auch genügend Momente, in denen man die Möglichkeit hat, selbst die Zeit mit den Behinderten ein bisschen zu gestalten. Der Tägliche Arbeitsablauf kann auf lange Sicht schon etwas monoton werden.

Zu den Mitarbeitern kann man sagen, dass es sehr nette, aber auch sehr abweisende gibt. Es gibt nur sehr wenige junge Mitarbeiter, aber auch mit den etwas älteren kann man sehr viel Spaß haben und eine enge Beziehung aufbauen. Die wenigsten sprechen allerdings Englisch, wodurch sich die Kommunikation gerade zu Beginn des Jahres als etwas schwierig, aber auch lustig, gestaltet hat. Das israelische Arbeitsverhältnis ist im Vergleich zu einem deutschen sehr locker.

Problematisch finde ich nur, dass man zu Beginn keine richtige Einweisung erhält oder stattdessen eine fünfminütige auf Hebräisch. Dadurch wird  man eigentlich ins kalte Wasser geschmissen und man muss sich alles selbst beibringen. Nach etwa drei Monaten bekommen man das allerdings gut auf die Reihe.

Abschließend kann ich aber sagen, dass ich sehr viel Spaß an der Arbeit hatte, sehr viele neue Erfahrungen gesammelt habe und neue Dinge gelernt habe. Ich kann die Arbeit mit Behinderten jedem empfehlen einmal auszuprobieren, denn man lernt vieles in seinem eigenen Leben dadurch zu schätzen. Mir wurde in diesem Jahr bewusst, dass ich nicht mein ganzes Leben im Pflegebereich mit Behinderten arbeiten möchte und kann, aber ich sehr stolz bin dieses eine Jahr absolviert und so tolle Menschen und Persönlichkeiten kennengelernt zu haben.

Sonstiges (Taschengeld, Sprachkurse, Selbstversorgung)
Ich habe monatlich 750 Shekel (180€) Taschengeld von der Einrichtung erhalten. Ich habe alle zwei Monate einen Scheck bekommen mit zweimonatigem Gehalt. Hiermit musste ich zur Post und das Geld in bar abholen. Zu Beginn gab es ein paar Probleme mit der Ausstellung meines Schecks, wodurch ich die ersten zwei Monate auf eigenen Kosten leben musste und dann noch zwei folgende Monate von meiner Sozialarbeiterin das Geld vorgestreckt bekam.

Insgesamt denke ich, dass 750 Shekel etwas zu wenig sind, da man zwar in der Einrichtung zu jeder Zeit mitessen konnte, dieses Essen aber teilweise nicht essbar und sehr ungesund war. Dadurch war ich gezwungen mich auch selbst zu versorgen und hier wurde es mit 750 Shekel monatlich etwas knapp.

Der zuvor versprochenen Sprachkurs fand leider nicht statt, unter der Begründung die Einrichtung habe kein Geld für so etwas. Ich würde mir für die zukünftigen Volontäre wünschen, dass sie solche Versprechungen nicht mehr bekommen, damit die Enttäuschung am Ende nicht so groß ist. Es war für mich nicht so schwierig Hebräisch zu lernen, da ich in der Zeit vor meinem sozialen Jahr in Israel schon etwas Hebräisch-Unterricht hatte, aber trotzdem kämpfte ich ein halbes Jahr um einen Sprachkurs, da man oft von einigen Mitarbeitern zu hören bekam, warum man sie denn nicht verstehe.

DIV-Betreuung:
Die DIV-Betreuung kann ich nur loben. Der Bewerbungsablauf lief reibungslos und war auch nicht sonderlich kompliziert. Ich habe vieles über andere Organisationen in Deutschland, die junge Menschen als Volontäre nach Israel entsenden, erfahren und es wurde deutlich, dass der DIV ein sehr enges und persönliches Verhältnis zu den Volontären aufbaut und sich wirklich für sie einsetzt.

Die zwei Vorbereitungsseminare in Gießen wurden super von Bela betreut.

Ich habe schnell gemerkt, dass man immer zu Bela kommen kann, falls man Probleme oder auch nur die kleinste Frage hat. Auch in der Zeit, in der wir uns in Israel befanden war sie immer für uns da.

Vorbereitungsseminare:
Die zwei Vorbereitungsseminare in Gießen bewerte ich als sehr positiv. Wir haben viel über das Land Israel (Geschichte, Politik, Geographie und Kultur), das Judentum und Autismus gelernt und auch allgemeine Tipps zur Pflege von Menschen erhalten (die wir glaube ich alle später in Israel sehr schätzten, da wir keine große Einweisung erhielten). Das Programm war insgesamt sehr gut geplant und mit genügend langen Pausen verbunden.

Es war sehr schön, die anderen Volontäre schon in Deutschland kennenzulernen und es haben sich schon feste Freundschaften geschlossen. Es war sehr interessant zu erfahren aus welchen Beweggründen andere junge Leute, ein Jahr in Israel verbringen und sich sozial engagieren wollen.

Vorteilhaft war außerdem, dass man sich in Gießen ein genaueres Bild der Einrichtungen machen konnte und auch noch einmal die Möglichkeit hatte, sich für eine andere Einrichtung zu entscheiden. Dazu trug auch bei, dass ehemalige Volontäre zu Besuch kamen und uns ausführlich von ihren Erfahrungen und Erlebnissen erzählen konnten.

Die Verpflegung an den Seminaren war sehr gut und wir schliefen auf Isomatten. Allerdings vermisste ich ein wenig die Information zur Arbeit mit Behinderten und auch älteren Menschen, da der Schwerpunkt doch mehr auf dem Autismus lag. Trotzdem war es hier höchst interessant auch einen Bericht eines Vaters zu hören, der eine autistische Tochter hat

Seminare vor Ort:
Über die Seminare in Haifa kann ich nur Positives berichten. Diese waren sehr lehrreich und interessant gestaltet. Wir haben sehr viel über die Politik des Landes gelernt und uns intensiv mit der Deutsch-Israelischen Geschichte auseinandergesetzt. Daneben haben wir die Kunst und Kultur Israels kennengelernt und uns auch mit den verschiedenen Religionen und Minderheiten, die im Land vertreten sind, beschäftigt. Zusätzlich vertieften wir die Frage, wie man mit Autisten, Behinderten und älteren Menschen umgeht und konnten auch hierbei viel dazulernen oder uns mit Volontären der gleichen Beschäftigung austauschen.

Es war sehr beeindruckend und prägend so viele verschiedene Persönlichkeit kennenzulernen, wie zum Beispiel Holocaustüberlebende, Väter von Terroropfern oder auch den Chef der größten israelischen Zeitung.

Der Wechsel zwischen Vorträgen, Ausflügen und Pausen war perfekt und auch die Unterbringung und Verpflegung, sei es im Ruthenberg-Institut oder auswärts, waren sehr gut.

Die Angestellten des Ruthenberg-Institut sind sehr hilfsbereit und freuen sich über jedes hebräische Wort, das man schon gelernt hat.

Außerdem haben wir uns am meisten gefreut die anderen Volontäre zu jedem Seminar wiederzusehen. Es war immer sehr schwierig in größeren Gruppen einmal zusammenzukommen, auch wenn das Land nicht besonders groß ist. Die Seminare waren die beste Gelegenheit die Zeit mit den anderen zu genießen und einfach mal Abstand und etwas Urlaub von der Arbeit zu bekommen (wie Silvi es immer formulierte und sich am Ende auch so bewahrte).

Betreuung vor Ort durch Silvi:
Silvi begleitete in Israel unsere Seminare und sorgte dafür, dass in unseren Einrichtungen alles in Ordnung ist.

Sie war das ganz Jahr über immer für mich da. Auch wenn sie versprach, dass sie mich einmal besuchen wird und sie dies nicht tat, bin ich ihr sehr dankbar für die vielen Momente, in denen sie mir geduldig zuhörte. Ich hatte ein paar Probleme mit meinen Mitbewohnern in der Wohngemeinschaft und deshalb telefonierte ich sehr oft mit Silvi, die mich jedes Mal erneut aufmunterte und mit Rat und Tat an meiner Seite stand. Nicht einmal gab sie mir ein schlechtes Gefühl und ich kann jedem zukünftigen Volontär nur ans Herz legen, sich wirklich bei Silvi jederzeit zu melden, falls man Probleme hat. Dadurch, dass sie Deutsch spricht, kann man sich ihr noch mehr öffnen.

Auch wenn es Komplikationen mit der Einrichtung gibt kann sie sehr schnell helfen und meist ändert sich auch sofort etwas.

Eine bessere (pädagogische) Betreuung vor Ort kann man sich nicht wünschen.

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